Lineup Tracking: Damit Marketing-Zahlen endlich Business-Zahlen werden

Marketing and Business Lineup Tracking

B2B-Marketing scheitert selten an zu wenig Aktivität — sondern an der fehlenden Verbindung zwischen Aktivität und Umsatz. Ein einziges Trackingsheet schließt diese Lücke. Hier ist, wie es funktioniert.

Zwei Szenarien, die jeder Geschäftsführer kennt:

Szenario 1: Der Mittelständler und seine Werbeagentur.

96.000 Euro im Jahr. Das ist, was ein durchschnittlicher Mittelständler 2025 seiner Marketing-Agentur überwiesen hat.

Wofür?

Slides. LinkedIn-Posts. Designs. Konzepte. Monatsreports mit bunten Charts.

Was er nicht bekommen hat:

Demos. Pipeline. Umsatz

Frag deine Agentur: „Wie viel Euro hat euer letzter Monat gebracht?“ Man sagt: Wenn die Antwort länger als drei Sekunden dauert, hast du keine Marketing-Agentur. Du hast eine Beschäftigungstherapie.

Szenario 2: Die Quartalsfrage des CFO

Ein B2B-SaaS hat im letzten Quartal 200.000 Euro für Ads ausgegeben. Google, LinkedIn, ein bisschen Meta. Schöne Reports, hohe Engagement-Raten, alles im grünen Bereich.

Dann die Frage des CFO im Quartals-Review: „Wie viel Pipeline hat das generiert?“

Stille.

„Naja, wir haben die Brand Awareness gesteigert. Die CTRs sind um 15 % gestiegen. Die LinkedIn-Followerzahl auch.“

Der CFO nickt höflich. Im nächsten Budgetzyklus wird das Marketing-Budget gekürzt. Nicht weil das Marketing nichts geleistet hat — sondern weil niemand belegen konnte, dass es etwas geleistet hat.

Beides ist dieselbe Wurzel: Marketing rapportuert in einer Sprache, die im Vorstand nicht verstanden wird.

Und wer nicht verstanden wird, bekommt kein Budget. Und wer kein Budget bekommt, kann keine Pipeline aufbauen. Und wenn es dann an Pipeline fehlt, wird natürlich am Marketing gespart. Eine Spirale nach unten.

Das Kernproblem: zwei Sprachen, ein Ziel, aber keine Übersetzung

Marketing and Business Lineup Tracking: Zwei Sprachen. CFO und Marketing

Marketing misst:

  • Reach
  • Impressions
  • CTR
  • CPC
  • CPM
  • Engagement Rate
  • Followerzahlen
  • MQLs

Die Geschäftsführung interessiert:

  • Pipeline (Demo Requests, Demo Dones, Offers sent)
  • Neukundenumsatz
  • CAC
  • MRR-Wachstum
  • Payback Period
  • Marketing Efficiency Ratio

Das sind zwei komplett unterschiedliche Sprachen. Und dazwischen sitzt — bei den meisten Unternehmen — schlicht nichts. Keine Übersetzungsschicht. Keine Brücke. Marketing sagt „CTR 4,2 %“, die Geschäftsführung hört „Geld weg“.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass Marketing schlecht arbeitet. Das eigentliche Problem ist, dass Marketing nicht in den Zahlen rapportiert (und auf diese Zahlen optimiert), die im Boardroom Entscheidungen treiben.

Ich habe in den letzten Jahren mehrere Marketing-Funktionen aufgebaut und betreut. Eines hat sich als der größte Hebel herausgestellt — größer als jede einzelne Kampagne, jeder Funnel, jede Plattform-Optimierung: die saubere, monatliche, einheitliche Verbindung zwischen Marketing-Aktivität und Business-Outcome.

Ich nenne es Lineup Tracking: Im Kern ein einziges Spreadsheet — aber est verändert, wie über Marketing im Unternehmen gesprochen wird. Damit verändert es, wie Marketing geführt, finanziert und respektiert wird.

Vom Klick zur Pipeline. Endlich auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung.

Lineup Tracking ist die saubere Aufstellung aller Zahlen, die Marketing produziert, neben allen Zahlen, die das Business produziert — Monat für Monat, Quartal für Quartal, in einer Logik, die jede Geschäftsführung versteht.

Es ist nicht:

  • ein Plattform-Report
  • ein Dashboard mit 80 Vanity-KPIs
  • ein Attributions-Tool
  • ein Ersatz für Strategie

Es ist:

  • die monatliche Verbindung zwischen Spend → Demo Request → Demo Done → New Client → ARR
  • die Grundlage, auf der jede Marketing-Entscheidung systematisch optimierbar wird
  • der Beleg, dass Marketing zur Pipeline beiträgt — quantifiziert in Euro, nicht in Bauchgefühl

Und weil es eine Sprache mit Sales und Geschäftsführung etabliert, hat es einen Nebeneffekt, den niemand kommen sieht: es macht das Verhältnis zwischen Marketing und Sales gesund. Mehr dazu später.

Foundation: Der Events Sheet — wo Marketing das CRM trifft

Alles beginnt mit einem Sheet. Nicht mit dem Monthly-Report, nicht mit dem Dashboard. Mit dem Events Sheet.

Der Events Sheet ist eine Zeile pro Marketing-generierter Anfrage. Egal ob Demo Request, App Registration, Whitepaper Download, Webinar-Anmeldung. Jede einzelne Anfrage, die das Marketing erzeugt, landet hier. Eine Zeile = ein Mensch, der die Hand gehoben hat.

Was in dieser Zeile steht:

  • Datum des Opt-Ins
  • Event-Typ (Demo Request / App Registration / Webinar / …)
  • Kontakt (Name, E-Mail, Telefon, Position, Firma)
  • Lead-Quelle (Form-URL, Channel)
  • UTM-Parameter (Source, Medium, Campaign, Adgroup, Content)
  • Channel Flow (First Touch, Last Touch)
  • Type (B2B / B2C / unklar)
  • CRM-ID (Verknüpfung zur Opportunity im CRM)
  • CRM-Status (Lost / On Hold / Freezer / Kunde / Bestandskunde / WON / Not Relevant)
  • Demo Date + Tage zur Demo
  • Kunde Date + Tage zum Kunden
  • Kunde ARR

Das ist die unscheinbarste, aber wichtigste Tabelle im ganzen System. Hier passiert die Verheiratung zweier Welten:

→ Auf der einen Seite: das Form auf der Website (Gravity Forms, HubSpot Forms, Typeform — egal). Es feuert ein Conversion-Event in Google Ads, LinkedIn Ads und Analytics ab und schreibt parallel die Daten samt UTMs in den Sheet.

→ Auf der anderen Seite: das CRM (Zoho, HubSpot, Salesforce, Pipedrive). Sales pflegt dort die Opportunity, weist Status zu, schließt den Deal — oder eben nicht.

Der Events Sheet ist der Ort, an dem diese beiden Welten zueinander finden. Über die CRM-ID + GCLID Parameter. Über Zapier automatisch synchronisiert.

Ohne diesen Sheet hat Marketing keine Ahnung, was aus seinen Leads geworden ist. Sales hat keine Ahnung, woher die Leads kamen. Beide reden aneinander vorbei. Mit diesem Sheet reden sie endlich über dieselbe Realität.

Das klingt banal. Es ist aber der Punkt, an dem 80 % aller B2B-Unternehmen scheitern. Marketing exportiert seine Zahlen aus Google Ads, Sales exportiert seine aus dem CRM, am Monatsende vergleicht niemand die beiden — weil es keinen gemeinsamen Identifier gibt.

Der Events Sheet ist dieser gemeinsame Identifier.

Marketign and Business Lineup: Events Sheet Flow

Vom Event zum Monthly Sheet. Ein Tracking, das Marketing & Sales endlich zusammenbringt

Sobald der Events Sheet steht, beginnt der eigentliche Wertschöpfungsprozess. Aus den Roh-Events wird der Monthly Sheet aggregiert — eine Zeile pro Monat, mit allen Kennzahlen, die im Boardroom zählen.

Wie viele Demo Requests, wie viele Demos done, wie viele Neukunden. Wie viel Werbebudget.

Mein Monthly Sheet hat fünf Blöcke. Ich gehe jeden einzeln durch, weil jede Kennzahl einen konkreten Zweck erfüllt — und weil das Verständnis dieser Kennzahlen genau das ist, was Marketing aus dem „Bunte-Bilder-Department“ zur strategischen Funktion macht.

Block 1: Spendings — Was Marketing wirklich kostet

  • Media Investments — die Summe aller Werbeausgaben über alle Plattformen (Google, LinkedIn, Meta, Microsoft, YouTube, Influencer, Sponsored Content). Das einzige, was die meisten Marketing-Reports zeigen.
  • Non-Ad Costs — alles andere: Mitarbeiter, Freelancer, Agenturen, Tools, Hotels, Reisen, Weiterbildungen, Software-Lizenzen. Wird fast immer vergessen — und verzerrt jede CAC-Berechnung dramatisch.
  • Total Marketing Costs — die Summe aus beidem. Das ist die echte Marketing-Investition.
  • Sales Costs proportionately — der Anteil der Vertriebskosten, der den marketing-sourced Demo Calls zugewiesen ist. Warum das wichtig ist: ein marketing-sourced Lead verursacht echten Sales-Aufwand. Wer das nicht einrechnet, schönt seinen Marketing-CAC.

Der häufigste Fehler in B2B-CAC-Berechnungen: Es werden nur die Media Investments gezählt. Damit fällt der CAC um Faktor 2–4 niedriger aus, als er tatsächlich ist. Die Geschäftsführung merkt das spätestens beim Cashflow.

Block 2: Marketing Demo Requests — Volumen und Preis

  • Mktg. Demo Requests — Anzahl der monatlichen Demo Requests aus Marketing-Quellen. (Jeder Website Submit, der nicht Referral ist etc.)
  • Mktg. Demo Request Ad Costs — was eine einzelne Demo-Anfrage in reinem Ad-Spend kostet.
  • Mktg. Demo Request Costs — was eine einzelne Demo-Anfrage in Total Marketing Costs kostet (also inkl. Personal, Tools, etc.).

Die Differenz zwischen den beiden ist aufschlussreich: Sie zeigt, wie effizient die Organisation ihr Marketing-Setup betreibt. Ein Unternehmen mit 200 € Ad Cost pro Demo, aber 1.500 € Total Cost pro Demo, hat ein strukturelles Effizienzproblem — keines auf der Plattform.

Block 3: Marketing CAC, MRR und der MER — die Profitabilitäts-Schicht

Hier wird es ernst. Diese vier Metriken entscheiden, ob Marketing als Investment oder als Cost Center wahrgenommen wird.

  • New Clients — Anzahl der Neukunden im Monat, die marketing-sourced sind. Attribution: Kunden mit UTMs plus diejenigen ohne UTMs, die im Demo-Call angeben, dass sie nicht durch Outbound oder Empfehlung kamen.
  • Marketing CAC — Customer Acquisition Cost für marketing-sourced Neukunden. Berechnung: Total Marketing Costs (inkl. Sales-Anteil) / Marketing-sourced New Clients. Das ist die Zahl, die jeder CFO sehen will.
  • Marketing Attributed Revenue (MRR) — der MRR-Beitrag, den die marketing-sourced Neukunden generieren. Hier kommt die Wahrheit auf den Tisch: hat das Marketing tatsächlich Umsatz erzeugt — oder nur Aktivität?
  • MRR Growth Rate — Monat-über-Monat-Wachstum des marketing-attribuierten MRR. Zeigt Trend und Beschleunigung, nicht nur den Snapshot.
  • Marketing Efficiency Ratio (MER) — MRR / Total Marketing Costs. Ratio. Der globale Effizienz-Indikator, der die Schwächen von ROAS umgeht: Er ignoriert Plattform-Attribution, ignoriert Cross-Channel-Overlap und zeigt schlicht, wie viel Umsatz pro investiertem Marketing-Euro entsteht. Über die Zeit betrachtet ist MER der beste Single-Number-Indikator für Marketing-Gesundheit, den ich kenne.

Eine kurze Anmerkung zur Payback Period: Sie wird oft als die zentrale SaaS-Metrik verkauft. Sie ist es auch — aber nur, wenn das Unternehmen schon lange genug existiert, um zuverlässige Customer Lifetime Values zu kennen. Bei jüngeren Unternehmen, deren Kunden noch nie gechurnt sind (oder nicht alt genug sind, um statistisch verlässlich zu sein), ist die Payback Period ehrlicher als ein erfundener LTV. Aber das ist eine Diskussion für einen anderen Beitrag.

Block 4: Company CAC — der Realitätscheck

  • Total Acquisition Costs — alle Akquisekosten der Firma (Marketing + Outbound + Telesales + Partner).
  • Company New Clients — alle Neukunden im Monat, egal woher.
  • Telesales CAC — die parallele Kennzahl für den Outbound-Vertrieb.
  • Company CAC — Total Acquisition Costs / Company New Clients. Das ist die Zahl, an der sich jede Akquisitionsaktivität messen lassen muss.

Warum dieser Block? Weil er Marketing in den Gesamtkontext stellt. Wenn der Marketing-CAC bei 10.000 € liegt und der Telesales-CAC bei 15.000 €, hat Marketing soeben den Beweis erbracht, dass es der effizientere Akquise-Kanal ist. Wenn es umgekehrt ist, weiß Marketing, wo es ansetzen muss.

Das ist eine erwachsene Konversation. Sie ist nur möglich, wenn beide Zahlen in derselben Logik berechnet werden — und genau dafür ist der Lineup Sheet da.

Outbound-Kanäle (Telesales-Agenturen, gekaufte Contact Lists, Telesales) bekommen im selben Sheet eine eigene Sektion mit derselben Struktur: Spendings, New Clients, Outbound CAC, Outbound Attributed Revenue, Outbound Efficiency Ratio. Damit wird jeder Akquisekanal direkt vergleichbar.

Block 5: Der Demo-Funnel — wo Marketing und Sales sich treffen

Marketing and Business Lineup Tracking: Demo-Funnel

Hier wird der Punkt, an dem Marketing den Lead an Sales übergibt, transparent.

  • All Demos Done — alle stattgefundenen Demos im Monat (marketing-sourced + outbound + sonstige).
  • Mktg. Demos Done % — Anteil der Marketing-Demos an allen Demos. Zeigt, wie wichtig Marketing für die Pipeline-Versorgung ist.
  • Company Demo Done Costs — Was eine durchgeführte Demo das Unternehmen kostet.

Und dann der zentrale Mid-Funnel-Block:

  • Mktg. Demos Done — Anzahl marketing-sourced durchgeführter Demos.
  • Mktg. Demo Request → Done % — wie viele der angefragten Demos finden tatsächlich statt? Wenn diese Zahl unter 70 % fällt, ist Sales überlastet, Lead-Qualität schlecht oder die Follow-up-Mechanik kaputt. Marketing-Hebel und Sales-Hebel.
  • Mktg. Demo Done Costs — Total Cost pro durchgeführter marketing-sourced Demo.
  • Days Request → Done — durchschnittliche Tage von Demo Request bis Demo. Indikator für Sales-Geschwindigkeit und Marketing-Lead-Qualität.
  • Mktg. Demos Done → WON % — Conversion-Rate von Demo zu Neukunde. Die Lead-Qualitäts-Metrik schlechthin. Wenn diese Rate fällt, weiß Marketing: meine Leads sind zu billig oder zu unspezifisch geworden.
  • Days Request → WON — Sales Cycle Length. Vom Hand-Raise bis zur Vertragsunterschrift.

Und genau hier wird das systemische Problem zwischen Marketing und Sales zum ersten Mal sichtbar — und damit lösbar:

Marketing trägt eine geteilte Verantwortung für die Pipeline. Nicht nur für die Anzahl der Demo Requests. Sondern für deren Qualität, deren Konversion in tatsächliche Demos, und letztlich den Anteil, der zu Neukunden wird. Wenn diese Zahlen monatlich auf demselben Sheet sichtbar sind, hört das alte Spiel auf:

  • Sales sagt nicht mehr „Eure Leads sind Schrott“ als pauschale Aussage — die Done-WON-Rate zeigt es. Oder sie zeigt das Gegenteil.
  • Marketing sagt nicht mehr „Wir liefern Leads, der Rest ist Sales-Sache“ — die Request-Done-Rate zeigt, ob Sales sie überhaupt bearbeitet.
  • Beide Funktionen optimieren auf eine Pipeline. Mit gemeinsamer Sicht. Mit gemeinsamer Verantwortung.

Das ist der unsichtbare Nebeneffekt, der oft mehr wert ist als alle Zahlen zusammen: das Ende der Schuldzuweisungs-Theater.

Vom Monthly zum Quarterly: Trends statt Momentaufnahmen

Marketing and Business Lineup: Sheet Hierarchy

Der Monthly Sheet ist die Arbeitsschicht. Hier wird operativ gesteuert. Aber für die Geschäftsführung ist der Monthly Sheet zu detailliert und zu volatil — einzelne Monate sind durch Saisonalität, Kampagnen-Launches und Sales-Cycle-Verschiebungen verzerrt.

Deshalb existiert parallel der Quarterly Sheet. Er aggregiert dieselben Metriken auf Quartalsebene. Was im Monatsbild noch Rauschen ist, wird hier zum Trend. Was im Monatsbild nach „Krise“ aussah (ein einzelner schlechter Monat), entpuppt sich auf Quartalsebene als normale Schwankung. Was im Monatsbild als „Erfolg“ gefeiert wurde, kann auf Quartalsebene als saisonaler Ausreißer entlarvt werden.

Auf Quartalsebene werden auch die wirklich interessanten Vergleiche möglich:

  • Q1/26 vs. Q1/25 — Year-over-Year. Wachsen wir tatsächlich, oder bewegen wir uns nur seitwärts?
  • Q1/26 vs. Q4/25 — Quarter-over-Quarter. Wo geht der Trend hin?
  • MER-Entwicklung über vier Quartale — sind wir effizienter geworden, oder verbrennen wir mehr Geld pro Euro Umsatz?
  • CAC-Entwicklung im Verhältnis zur MRR-Wachstumsrate — bezahlt sich das skalierende Marketing selbst, oder kannibalisiert es die Marge?

Aus dem Quarterly Sheet entstehen dann die Charts — visuelle Aufbereitung derselben Daten. Generated Revenue als Bar Chart über die Quartale. Customer Acquisition Costs als Linien-Trend. Acquisition Costs nach Channel (Sales, Non-Ad, Media) als Stacked Area. Demo Requests vs. Demo Request Costs als Dual-Axis-Linie.

Charts sind nicht Selbstzweck. Sie sind die Übersetzung von Tabelle in Aussage. Die Geschäftsführung liest keine Tabellen mit 20 Spalten. Sie liest einen Chart in drei Sekunden.

Core Metrics & Augenhöhe mit der Geschäftsführung

Wie ich Marketing-Zahlen so aufbereite, dass die Geschäftsführung zuhört — diese Schicht ist der Punkt, an dem alles zusammenkommt?

Über dem Quarterly Sheet steht noch eine letzte Schicht: der Core Metrics Sheet.

Er ist klein. Sieben Spalten breit, eine Zeile pro Quartal. Und genau diese sieben Spalten sind das, was die Geschäftsführung sehen will, wenn sie nicht in die Details geht:

QuartalNew CustomersYoY %CACYoY %RevenueYoY Growth
Q1/25
Q2/25
Q3/25
Q4/25
Q1/26
Q2/26

Das ist der Sheet, der vor dem Geschäftsführer auf dem Tisch liegt, wenn er fragt: „Wie läuft Marketing?“

Er sieht eine Zeile pro Quartal. Sechs Werte. Sofort sichtbar:

  • CAC fällt über sechs Quartale von 20.000 € auf 9.000 € — das Marketing wird strukturell günstiger.
  • Neukunden wachsen trotz Schwankungen — die Akquise-Engine läuft.
  • Revenue wächst dramatisch — der Marketing-Hebel wird sichtbar.
  • Year-over-Year-Vergleiche machen Wachstumsraten greifbar — auch dann, wenn ein einzelnes Quartal schwächer war.

Und das ist der Moment, in dem sich Marketing als strategische Funktion etabliert. Nicht weil Marketing besser geworden ist — sondern weil Marketing nachweislich zeigen kann, was es ist. Mit Zahlen, die die Geschäftsführung versteht. In einer Sprache, die im Boardroom verstanden wird.

Die Konversation verändert sich. Statt:

„Wir hatten 2,3 Millionen Impressions, eine CTR von 4,1 % und 187 MQLs.“

heißt es:

„Im letzten Quartal haben wir den Marketing-CAC um 18 % gesenkt, sechs Neukunden gewonnen und unseren MER von 0,68 auf 0,89 verbessert. Wenn wir das Budget um 30 % erhöhen, schätze ich auf Basis der letzten zwei Quartale neun bis elf Neukunden im nächsten Quartal — bei stabilem MER.“

Das ist der Unterschied zwischen Marketing als Cost Center und Marketing als Investment. Das ist Augenhöhe mit der Geschäftsführung.

Und das Schöne ist: Sobald dieser Sheet steht und monatlich gepflegt wird, ist die Geschäftsführung die erste, die mehr Marketing-Budget vorschlägt. Weil sie zum ersten Mal sehen kann, was es bringt.

Was dieser Ansatz nicht kann — und warum das wichtig ist

Jetzt die Schwächen. Lineup Tracking ist ein extrem starkes System. Aber es ist auch ein System, das, wenn es falsch verstanden wird, in eine andere Falle führen kann: in den Short-Termismus.

Folgende Punkte muss jeder, der dieses System einführt, im Hinterkopf behalten:

Marketing-ROI im klassischen Sinne existiert nicht. Was Marketing heute tut, wirkt teilweise erst in zwei oder drei Jahren. Eine LinkedIn-Kampagne, die heute Brand Awareness in der Zielgruppe aufbaut, wird in 18 Monaten dazu führen, dass jemand spontan den Markennamen bei Google sucht und zur Demo kommt — ohne dass das jemals attribuierbar ist. Diese Wirkung ist real, aber unsichtbar im Lineup Sheet.

Brand Building ist mit dieser Logik nicht messbar. Positioning, Trust, Mental Availability — die Voraussetzungen dafür, dass Sales überhaupt funktionieren kann — entstehen über Jahre. Sie zeigen sich nicht in der MRR Growth Rate des nächsten Monats. Wer sein Marketing ausschließlich auf den Lineup Sheet optimiert, läuft Gefahr, alle langfristigen Investitionen zu kappen — und damit die Pipeline der nächsten Jahre zu zerstören.

Attribution ist immer unvollständig. UTMs gehen verloren, Self-Reported-Attribution im Demo-Call ist subjektiv, Multi-Touch-Customer-Journeys lassen sich nicht sauber zerlegen. Der Lineup Sheet liefert näherungsweise Wahrheit, nicht absolute Wahrheit.

Diese Metriken sind System-KPIs, nicht reine Marketing-KPIs. Ein guter MER ist die Summe aus gutem Marketing, gutem Sales, gutem Produkt, gutem Pricing, gutem Onboarding. Wenn der MER fällt, ist nicht zwangsläufig das Marketing schuld. Wer den Lineup Sheet als Marketing-Bewertungs-Werkzeug missbraucht, bekommt internes Schuld-Ping-Pong statt Steuerung.

Was bedeutet das in der Praxis?

→ Lineup Tracking liefert die messbare Schicht. Diese Schicht ist riesig, wertvoll und vorher schlicht nicht da gewesen.

→ Daneben muss Raum bleiben für die unmessbare Schicht. Brand. Positioning. Content, der erst in zwei Jahren wirkt. Investment in Communities, Events, Thought Leadership.

→ Die Kunst ist, das Messbare professionell zu steuern und das Unmessbare bewusst zu bezahlen — auch wenn man es nicht im Quartal sieht.

Wer diese Balance findet, hat das beste aus beiden Welten: kurzfristige Steuerbarkeit und langfristige Markenstärke. Wer nur das eine macht, baut entweder ein Marketing, das nicht mehr atmet — oder eines, das nie geatmet hat.

Fazit: Vom Vermutungsorgan zum Steuerungssystem

Marketing in den meisten B2B-Unternehmen ist heutzutage ein Vermutungsorgan. Es vermutet, dass Kampagnen wirken. Es vermutet, dass Content gelesen wird. Es vermutet, dass Brand Awareness Pipeline erzeugt. Es vermutet, dass das Budget Sinn macht.

Lineup Tracking macht aus diesem Vermutungsorgan ein Steuerungssystem. Nicht weil es Magie wäre. Sondern weil es konsequent zwei Welten verbindet, die in den meisten Unternehmen niemals zueinander finden: das, was Marketing tut, und das, was im Boardroom zählt.

Der Aufbau ist nicht trivial. Es braucht:

  • ein sauberes Form-Setup mit UTMs und CRM-Integration
  • ein konsequent gepflegtes CRM, in dem Sales jeden Status zuverlässig setzt
  • einen Events Sheet, der monatlich abgeglichen wird
  • einen Monthly Sheet, der aus den Events automatisiert oder semi-automatisiert aggregiert wird
  • einen Quarterly Sheet, der den Monthly aggregiert
  • einen Core Metrics Sheet, der die Quintessenz für den Boardroom destilliert
  • die Disziplin, das alles monatlich zu pflegen — auch in Wochen, in denen niemand danach fragt

Aber wer diesen Aufbau einmal hat, hat ein System, das alles verändert: Wie über Marketing geredet wird. Wie Marketing-Budgets verteilt werden. Wie Marketing und Sales zusammenarbeiten. Wie die Geschäftsführung Marketing wahrnimmt.

Und vor allem: Wie Marketing-Entscheidungen getroffen werden. Statt aus Bauchgefühl, aus Mode oder aus Angst — aus Daten, aus Trends, aus klar verstandenen Zusammenhängen.

Das ist der Unterschied zwischen Marketing, das verteidigt werden muss, und Marketing, das selbstverständlich finanziert wird.

Und es ist, am Ende, der Unterschied zwischen einem Marketing, das gerade noch geduldet wird — und einem Marketing, das einen Platz am Tisch hat.

Michal Compel

Wer bin ich?

Hi, ich bin Michal Compel – Marketing- und Growth-Manager mit Fokus auf B2B SaaS. Ich baue skalierbare Demand-Gen-Systeme mit einem Ziel: Demo Requests von relevanten Interessenten, die bereits überzeugt sind.

Für Sales bedeutet das gebuchte Termine. Für das Unternehmen: Revenue. Ich messe Marketing nicht an Klicks, sondern an Pipeline und Revenue. Mein Ansatz verbindet Marketing mit Finanzkennzahlen – nicht mit Vanity Metrics: ICP-Relevanz statt Traffic. Attention statt Impressions. Nachfrage erzeugen, nicht Klicks sammeln.