Produktinnovationen: Hört ein Hai auf zu schwimmen, stirbt er

Die erste Version wird nicht aushalten. 🙂

Genau wie der Hai, stirbt ein Unternehmen, das aufhört zu innovieren. Innovieren ist ein MUSS, sonst droht dem Unternehmen dasselbe Schicksal, wie den Giganten Kodak, Nokia, HP, AT&T, General Electric und Co.

Unternehmen, die verschlafen haben

Nokia

Im November 2007 interviewte Forbes den damaligen CEO von Nokia, Steve Ballmer, der auf dem Cover zu sehen war. Nokia war mit 1 Milliarde Kunden der absolute Segment-Leader und das 5. wertvollste Unternehmen der Welt. Über die Hälfte aller Telefonverkäufe stammten von Nokia. Legendär ist das Interview mit Ballmer, in dem er das iPhone auslachte.

Trotz allem ist Nokia aus der Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt verschwunden. 2014 wurde Nokia von Microsoft akquiriert und Ballmer trat in diesem Jahr zurück. Ein Jahr später hat Microsoft öffentlich bekannt gegeben, es sei ein kompletter Fehler und eine Fehlinvestition gewesen.

Kodak

Kodak war einst der Weltmarktführer in der Fotografie-Welt und hatte einen Marktanteil von 85% am Kameramarkt und 90% am Markt der polarisierenden Folien. Es war eine Zeit, in der im Urlaub 20 Fotos geschossen wurden und es wurde gespannt gewartet, ob die Fotos etwas geworden sind oder nicht. Dank Kodak nennen wir Fotos heute Momente.

Kodak ist gleichzeitig ein perfektes Beispiel für den Preis, den ein Unternehmen zahlt, wenn es aufhört zu innovieren, um nicht versehentlich sein primäres Geschäftsmodell zu gefährden. Kodak entwickelte bereits 1975 Digitalkameras, aber vermarkte sie nicht. Die Geschäftsführung hatte Angst, eine Einnahmequelle zu verlieren, denn Digitalkameras benötigen keine Filme.

Es dauerte 20 Jahre bis ein Unternehmen 1994 Digitalkameras vermarkte, aber es war Apple! Kodak blieb in den eingefahrenen Bahnen und hatte nicht vor, seine Cash Cow zu gefährden. Bis Kodak 2012 um Gläubigerschutz bat.

Viele andere Beispiele

PayPal oder Klarna sollten Western Union oder eine andere große Bank sein. Amazon wäre Walmart gewesen. Google wäre Yahoo gewesen. Das iPhone wäre Nokia gewesen. Tesla wäre Ford oder General Motors gewesen. Der Taxidienst Uber wäre eine große Hotelkette gewesen. Sie alle sind eine Erinnerung daran, was passiert, wenn ein Unternehmen keine Innovationen vorantreibt.

Innovation eines Lernturms

Jetzt ein paar praktische Beispiele, wie das Innovieren eines echten Produkts – des Tukataka-Lernturms – erfolgen kann.

Ein Lernturm ist ein „Stuhl“ mit Geländer und Stufe für Kinder. Kinder haben die Möglichkeit, in der Küche mitzuhelfen, zu sortieren, zu mischen etc. Sie spielen und entwickeln sich. Selbst ein so simples Produkt kann radikal innoviert werden.

Paralysierende Optionen mussten entfernt werden. Es wurden nur die 8 meistverkauften Farben als Varianten angeboten. Für die anderen Farben wurde mit Hilfe eines Selektors eine Variation mit dem Titel „Individuelle Farbe“ programmiert. So konnte das Haupthindernis bei der Bestellung beseitigt werden.

Begrenzung der Farbanzahl

Das Hauptproblem beim Einkaufen war die Entscheidungsparalyse. Die Mütter litten unter einer Entscheidungsparalyse. Dies ließ sich aus dem Live-Chat entnehmen. Es war schwierig, sich für eine von 32 angebotenen Farben zu entscheiden. Sie verschoben den Kauf und wollten sich mit einer Freundin oder ihrer Mutter beraten. Ein verschobener Kauf ist ein unrealisierter Kauf.

Paralysierende Optionen mussten entfernt werden. Es wurden nur die 8 meistverkauften Farben als Varianten angeboten. Für die anderen Farben wurde mit Hilfe eines Selektors eine Variation mit dem Titel „Individuelle Farbe“ erstellt. So konnte das Haupthindernis bei der Bestellung beseitigt werden.

Erweiterungen zusammenführen

Paralysierend wirkten auch die Erweiterungen „Farbauswahl der Stufe“ und „Farbauswahl der Stützstangen“ mit 32 x 32 = 1.024 Farbkombinationen. (Zusammen mit den 32 Turmfarben sind es 32.768 Kombinationen!) Die 8 meistverkauften Farben wurden bei der Farbauswahl belassen. Die anderen Farben wurden in die „Individuelle Farbe“ verschoben. Dadurch hat das Angebot an Simplizität gewonnen. Gleichzeitig wurden diese zwei Erweiterungen zusammengeführt.

Mit diesem Schritt haben wir die Anzahl redundanter Optionen reduziert, die Entscheidungsparalyse beseitigt und die Auswahl vereinfacht.

Magneten in Stützstangen statt Holzdübeln

Wir haben uns eine geniale Produktinnovation ausgedacht: Die Stützstangen an der Rückseite der Tukataka-Türme wurden mit kleinen, extra starken Neodym-Magneten versehen statt Holzdübeln.

Dank dessen bietet sich für die Erwachsenen die Möglichkeit, die Stangen leicht einzusetzen und zu entfernen, aber gleichzeitig sind sie zu fest für das Kind, um sie zu entfernen. Parallel wurden andere mit Holzdübeln verbundene Risiken eliminiert.

Die Kund:innen waren mega begeistert. Somit steigerte diese Innovation die Attraktivität und den wahrgenommenen Wert des Produkts.

Eingebaute doppelseitige Magnettafel

Das ursprüngliche Angebot an Erweiterungen beinhaltete hängende und eingebaute einseitige Magnettafeln. Auf Videos und Fotos von Kunden haben wir mehrmals gesehen, wie die Kinder mit der Kreide auch auf die Innenseite der Tafel gemalt haben.

Die Werkstatt entwarf und erstellte eine doppelseitige Magnettafel, die zum doppelten Preis angeboten wurde. Die Erweiterung stößt auf Interesse und wird gelegentlich gekauft.

Mit anderen Worten: Der Shop bot ein besseres Angebot und einen besseren Service an und generierte zudem einen höheren Umsatz. Die Wölfe sind satt und die Schafe unversehrt.

Neue Lernturm-Modelle

Direkt nach der Markteinführung bot der Tukataka-Shop nur den Standardturm an – einen Turm für ein Kind mit horizontalem Geländer. Auf unsere Initiative hin hat die Werkstatt neue Modelle entworfen:

  • Vertikaler Turm: Er verfügt über ein vertikales statt horizontales Geländer und ist gedacht für äußerst aktive Kinder. Kleine Veränderung zum höheren Preis.
  • Zwillingsturm: Ein länglicher Turm, der zwei Kinder gleichzeitig unterbringt. Geschwister bzw. Zwillinge streiten manchmal, wer auf dem Turm spielen wird und zwei Türme nehmen viel Platz und Geld in Anspruch. Ein Zwillingsmodell löst dieses Problem.

Modelle sind untereinander kombinierbar. Dank dessen wurden in kurzer Zeit drei neue Produkte geschaffen und auf den Markt gebracht.

Anschließend wurde ein weiterer Produkttyp entworfen: Ein Expressturm. Er ist immer auf Lager und somit sofort versandbereit. Technisch gesehen handelt es sich nicht um neuen Turm, aber in Bezug auf Angebot, Lagerung und Produktionsprozesse schon.

Produkt downsizen: Extra Klarlack und Stützbeine

Die erste Version des Lernturms stieß auf Missverständnisse. Wir wollten die höchste Qualität und ein absolut hochwertiges Premiumprodukt anbieten. Alle Erweiterungen wurden in die Basisversion integriert. Dem entsprach der Preis.

Das Produkt musste downsized werden. Es gab hauptsächlich zwei Anpassungen: Die Stützbeine und die zusätzliche oberste Lackschicht wurden entfernt – und in Erweiterungen umgewandelt. Somit entstand ein preisattraktives Basisprodukt, zu dem zusätzliche Erweiterungen angeboten werden.

Namensmalerei

In dem Angebot der Tukataka Online-Shop-Erweiterungen befindet sich auch die Namensmalerei für den Namen des Kindes. Die Namensmalerei wurde mehrfach innoviert:

Ursprünglich wurde eine serifenlose Schrift verwendet. Aufgrund der Nachfrage entwarf die Werkstatt Buchstaben-Vorlagen für schönere Serifenschrift.

Die von den Kund:innen gewählte Farbe für die Namen wirkte in Kombination mit anderen Farben oft grell und sogar hässlich. Anschließend wollten die Kund:innen den Turm zurückschicken oder die Stufe neu malen. Darum haben wir die Farbauswahl-Option entfernt. Das Werkstattpersonal stellt die Harmonie der Farbe für die Namen und der Hauptfarbe sicher.

Was interessant ist: Von den Kund:innen sind noch keine Kommentare über die entfernte Option der Farbauswahl eingegangen.

Die Auswahl der unterschiedlichen Schriftarten, die sich derzeit im Entwicklungsprozess befanden, haben wir aufgrund dieser Erfahrungen gestoppt.

Beim Shop-Start mussten die Kund:innen in der Bestellnotiz den Kindernamen eintragen. Es wurde ein Custom Field programmiert, in dem der Namen direkt auf der Produktdetail-Seite eingeben werden kann.

Erfahre mehr über die Produktverbesserungen und verbundene Website-Anpassungen in diesem Artikel.

Marketing ist KEINE Werbung. Bleib innovativ

Marketing ist KEINE Werbung. Marketing ist ein Prozess, durch den ein Unternehmen entdeckt, was auf dem Markt fehlt. Dann kreiert es ein Produkt oder eine Dienstleistung und schafft eine Nachfrage. und es wird dafür so viel verdienen, dass alle Teilnehmer zufrieden sind. Dieser ganze Mix besteht aus den sogenannten 4Ps – Produktpolitik (Product), Preis (Price), Distribution (Place) und Kommunikation (Promotion).

Alle 4Ps sind GLEICHWERTIG. Du kannst die schönste und beste Werbung auf der ganzen Welt haben, aber wenn andere Faktoren nicht passen (Qualität, Lieferzeiten, Customer Support etc.), wird sie keinen Profit generieren.

Es ist wie ein Tisch mit vier Beinen – wenn eines länger oder kürzer ist, wackelt er. 😊

Der meist vernachlässigte Bereich im Marketing ist das Produkt. So wie neue Kampagnen gestartet werden, sollten auch neue, innovative Produktversionen gelauncht werden.

Überleg Dir, wie die Innovation Deiner Produkte deines Unternehmens gelingen kann. Schlaf nicht ein und sei innovativ.

*Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf OMT.de als ein Gastbeitrag veröffentlicht: Produktinnovationen: Hört ein Hai auf zu schwimmen, stirbt er

Michal Compel

Wer bin ich?

Hi, ich bin Michal Compel. Ich bin ein Performance Marketing Experte und Mediabuyer. Seit 2018 beschäftige ich mich mit Performance Marketing und Marketingstrategie. Meine Spezialisierung sind die Werbesysteme LinkedIn, Google und Facebook Ads.

Gleichzeitig verfüge ich über vielfältige Erfahrungen, da ich auf meinem beruflichen Weg auch Allrounder-Jobs ausgeübt habe. Mich bewegt immer die Frage: Wie kann ich die Kommunikation noch weiter verbessern?